Stromspeicher nachrüsten

Stromspeicher nachrüsten

Lohnt sich das eigentlich?

Steigende Stromkosten und der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit machen das Nachrüsten eines Stromspeichers immer interessanter. Erfahren Sie, welche Vorteile ein Stromspeicher bietet, für wen sich die Nachrüstung lohnt und wo mögliche Grenzen liegen.

Empfehlung bei Neubau, Verkauf sowie Neuvermietung

Steigern Sie Ihre energetische Unabhängigkeit. Denn die Technik hält Sonnenstrom aus einer PV-Anlage so lange vor, bis Sie diesen im Haus benötigen. Sie speisen weniger Strom ins öffentliche Netz ein und müssen weniger zukaufen. 

Welche Vorteile es außerdem haben kann, einen Stromspeicher nachrüsten zu lassen, zeigt die folgende Übersicht:

  1. Weniger Strom in das öffentliche Netz einspeisen
  2. Strombezug aus dem öffentlichen Netz reduzieren
  3. Unabhängigkeit von steigenden Preisen erhöhen 
  4. Mit dynamischen Stromtarifen mehr Geld sparen
  5. Bei Blackout mit Not- oder Ersatzstrom versorgen

Ein weiterer Pluspunkt: Wenn Sie einen Stromspeicher nachrüsten, entlasten Sie das öffentliche Netz. Sie tragen zum Gelingen der Energiewende bei und helfen, die Ausbaukosten der Netzinfrastruktur zu reduzieren.

Nachrüstung mit sowie ohne Photovoltaikanlage möglich

Auch ohne Photovoltaikanlage auf dem Dach können Sie einen Stromspeicher nachrüsten. Möglich ist das durch die Digitalisierung der Netze. Diese erlaubt es Stromversorgern, sogenannte dynamische Stromtarife anzubieten. Wie viel Strom kostet, hängt dabei von der Netzauslastung ab. Mit einem Speicher nutzen Sie das clever aus.

Und so funktioniert es: 

Zu Zeiten geringer Auslastung kaufen Sie Netzstrom günstig ein und bevorraten diesen im Speicher zuhause.

Wichtig zu wissen: Lassen Sie den Stromspeicher nachrüsten, um eine bestehende PV-Anlage zu ergänzen, gehen Sie kein Risiko ein. Sie steigern Ihre Unabhängigkeit und sparen Geld. Setzen Sie stattdessen auf dynamische Stromverträge, besteht das Risiko, Strom zu höheren Preisen beziehen zu müssen – etwa dann, wenn Sie viel benötigen und der Speicher leer ist. Das kann insgesamt mit höheren Kosten einhergehen.

Die Technik

Wechselstrom-Stromspeicher nachrüsten.

Ganz gleich, ob Sie bereits eine PV-Anlage betreiben oder einen dynamischen Stromvertrag nutzen möchten: Das Nachrüsten eines Stromspeichers ist in den meisten Fällen einfach möglich. Zum Einsatz kommen dazu AC-Speicher, die Experten im Wechselstromnetz installieren. Diese verfügen über einen eigenen Wechselrichter, der Strom aus dem Netz zum Speichern in Gleichstrom umwandelt. Beim Entladen richtet er diesen dann wieder in Wechselstrom um. Das kostet zwar 5 bis 10 Prozent der Effizienz, ermöglicht es aber, den Stromspeicher einfacher nachzurüsten.

DC-Speicher mit PV-Anlagen

Effizient, aber nicht immer möglich.

Mit einer bestehenden PV-Anlage ist es theoretisch auch möglich, einen DC-Speicher in das Gleichstromnetz vor dem zentralen Wechselrichter einzubinden. Die Geräte arbeiten effizienter, kommen aber nicht überall infrage. Ob das bei Ihnen der Fall ist, kann ein Fachhandwerker prüfen und beurteilen.

Auslegung der Speicherlösung

Nach eigenem Stromverbrauch.

Wie groß der Batteriespeicher sein sollte, hängt von der PV-Anlage sowie vom Stromverbrauch ab. 

Üblich ist eine Kapazität von:

  • 1 Kilowattstunde pro 1 Kilowatt Peak der Photovoltaikanlage oder
  • 1 Kilowattstunde pro 1.000 Kilowattstunden Stromverbrauch im Jahr

Eine Überdimensionierung um den Faktor 1,4 bis 1,6 kann sich ebenfalls lohnen, wenn Verbraucher mit hohem Strombedarf vorhanden sind (E-Auto, Wärmepumpe etc.). Auf diese Weise steigt der Eigenverbrauchsanteil und Sie müssen weniger Strom aus dem Netz kaufen. Rüsten Sie einen zu großen Speicher nach, übersteigen die Kosten jedoch die zusätzlichen Einsparungen und die Anschaffung rentiert sich unter Umständen nicht mehr.

Kosten

Stromspeicher nachrüsten im Einfamilienhaus.

Wie hoch die Kosten der Technik sind, hängt stark von den benötigten/gewünschten Parametern ab. Einen großen Einfluss haben dabei die Speichertechnologie sowie die Speicherkapazität. Darüber hinaus spielen Faktoren wie die Effizienz, die Zuverlässigkeit und die Erweiterbarkeit eine große Rolle.

Richtwerte für Lithium-Speicher mit 4 bis 10 Kilowattstunden

Üblich ist heute der Einbau von Lithium-Speichern mit einer Kapazität von 4 bis 10 Kilowattstunden. Diese kosten fertig installiert rund 400 bis 800 Euro pro Kilowattstunde. Möchten Sie einen solchen Stromspeicher nachrüsten lassen, belaufen sich die Ausgaben damit theoretisch auf 1.600 bis 8.000 Euro. Da die Preise mit der Kapazität oft sinken, gibt es vor allem größere Speicher oft günstiger, wie die folgende Übersicht zeigt:
 

Speichergröße Kosten
Kleiner Speicher mit zum Beispiel 3 bis 4 kWh Kosten zwischen 900 bis 1.300 Euro
Anlagen mit 5 bis 7 kWh Kosten zwischen 1500 bis 2.500 Euro
Stromspeicher mit 8 bis 10 kWh Kosten zwischen 2.700 und 3.400 Euro

Wichtig zu wissen ist, dass es sich bei den Angaben um Richtwerte ohne Zubehör und Installation handelt. Wie hoch die Preise tatsächlich ausfallen, wenn Sie einen Stromspeicher nachrüsten lassen, zeigt daher nur ein individuell erstelltes Angebot.

Steuerliche Förderung

Senkt die Speicher-Kosten spürbar.

Lassen Sie einen Stromspeicher nachrüsten, um eine bestehende Photovoltaikanlage zu erweitern, profitieren Sie neben regionalen Förderangeboten auch vom Nullsteuersatz. Letzteren gibt es für neue PV-Anlagen sowie die Erweiterung bestehender Systeme, wenn sich die Anlagen auf einem Wohngebäude oder in dessen Nähe befinden. Profitieren Sie von der steuerlichen Förderung, sinkt die Umsatzsteuer bei der Anschaffung auf null Prozent. Das gilt auch für nachgerüstete Batteriespeicher und kommt einer Förderung in Höhe von 19 Prozent gleich.

Um die steuerliche Förderung zu nutzen, müssen Sie nichts weiter unternehmen. Sofern Sie die technischen Voraussetzungen erfüllen, berücksichtigen Händler und Handwerker den Nullsteuersatz in der Regel automatisch.

Stromspeicher nachrüsten

Lohnt sich das noch immer?

Ob sich der Aufwand lohnt, hängt im Bestand immer vom Einzelfall ab. Entscheidend ist dabei, wie hoch Ihre Einspeisevergütung ausfällt. Liegt diese noch bei über 25 Cent pro Kilowattstunde, rechnet sich die Ausgabe in der Regel noch nicht. Denn dann sparen Sie mit mehr Eigenverbrauch kaum Geld ein. Anders verhält es sich bei ausgeförderten PV-Anlagen. Hier bekommen Sie weit weniger als 10 Cent pro Kilowattstunde. Verwenden Sie den Strom selbst und beziehen umso weniger aus dem Netz, sparen Sie hingegen rund 36 Cent pro Kilowattstunde und somit mehr als bei der Einspeisung.

Berechnung

So viel sparen Sie ohne Batteriespeicher.

Sie haben eine Photovoltaikanlage mit 5 Kilowatt Peak und ernten jedes Jahr etwa 5.000 Kilowattstunden Strom. Davon verbrauchen Sie im Durchschnitt 15 Prozent selbst, der Rest geht gegen eine Vergütung in das öffentliche Stromnetz (85% Netzeinspeisung). Bei einer Einspeisevergütung von 10 Cent pro Kilowattstunde bekommen Sie dabei jedes Jahr ungefähr 425 Euro. Zusätzlich sparen Sie 270 Euro durch den vermiedenen Strombezug.

Stromverteilung Eigenverbrauch:
5.000 kWh × 15 % = 750 kWh 

Netzeinspeisung: 
5.000 kWh × 85 % = 4.250 kWh

Jährliche Einnahmen und Einsparungen Einspeisevergütung: 
4.250 kWh × 0 , 10 €/kWh = 425 € 

Eingesparte Strombezugskosten: 
750 kWh × 0 , 36 €/kWh = 270 € 

Gesamtertrag pro Jahr:
425 € + 270 € = 695 € 

Stromspeicher nachrüsten lassen und Einsparungen steigern

Wenn Sie einen Stromspeicher nachrüsten, steigt Ihr Eigenverbrauchsanteil auf etwa 60 Prozent an. Das heißt: Sie behalten 3.000 Kilowattstunden im Haus und speisen nur noch 2.000 Kilowattstunden in das öffentliche Netz ein. Zur Vergütung von 200 Euro kommt dabei eine jährliche Ersparnis von 1.080 Euro (3.000 kWh x 0,36 €/kWh) für nicht aus dem Netz bezogenen Strom.

Zusätzliche Ausgaben rentieren sich nicht in jedem Fall:
Im direkten Vergleich sparen Sie bei unserem Beispiel jedes Jahr 585 Euro mehr, wenn Sie einen Stromspeicher nachrüsten lassen. Kosten von rund 5.000 Euro für einen 8-kWh-Stromspeicher inkl. Zubehör und Installation amortisieren sich dabei nach etwa 8,5 Jahren. Unter diesen Rahmenbedingungen lohnt sich die Investition.

Fazit

Differenzierte Betrachtung hat oberste Priorität.

Wichtig ist in jedem Fall eine differenzierte Betrachtung. Fällt die Einspeisevergütung höher aus (ca. 25 Cent/kWh), liegen die Einsparungen bei unserem Beispiel in etwa auf der Höhe der Einspeisevergütung, die Investition lohnt sich dabei nicht. Anders sieht es aus, wenn die Einspeisevergütung niedriger ist und Sie durch E-Auto, Wärmepumpe oder intelligente Steuerung von Verbrauchern eine höhere Eigenverbrauchsrate erreichen. Denn dann erreichen Sie den profitablen Bereich eher und es kann sich finanziell lohnen, einen Stromspeicher nachrüsten zu lassen.

Unser Tipp:
Fachhandwerker, Planer und Energieberater prüfen die Gegebenheiten vor Ort individuell und geben eine verlässliche Auskunft zu Ihrem Vorhaben.