Energieausweis: Beantragung, Kosten und Gültigkeit

Energieausweis: Beantragung, Kosten und Gültigkeit

Was ist ein Energieausweis?

Verbraucher achten genau darauf, in welcher Energieeffizienzklasse der neue Kühlschrank, der Herd oder die Waschmaschine rangiert, wie viel Benzin das Auto verbraucht oder wie viel Watt die Energiesparlampe hat. Bei der eigenen Immobilie oder der Mietwohnung hingegen wurde dieser Aspekt lange vernachlässigt – obwohl für den Wohnraum selbst mit Abstand am meisten Energie verbraucht wird. Lange Zeit existierten keine objektiven Vergleichskriterien, mit denen Verbraucher den Energiebedarf eines Gebäudes einschätzen konnten. Das hat sich mit der Einführung der Energieausweispflicht für Wohngebäude im Jahre 2013 geändert. Ähnlich dem Effizienzlabel für Elektrogeräte liefert der Energieausweis möglichst exakte Informationen zur energetischen Qualität des Gebäudes. Zur Übersichtlichkeit wird auf einer Farbskala von Rot bis Grün angezeigt, wie gut oder schlecht die Energieeffizienz der Immobilie ist und wie viel Energie für das Heizen und die Warmwasseraufbereitung verbraucht wird. Immobilienbesitzer, Mieter, Käufer und Verkäufer erhalten mit diesem Dokument eine zuverlässige Einschätzung über die Verbrauchswerte und bekommen somit einen Überblick über die anfallenden Nebenkosten. Deutschlandweit sind die Dokumente einheitlich, sodass Gebäude über die Landesgrenzen hinweg verglichen werden können. Wie bei den Energieeffizienzlabels bei Elektrogeräten gilt auch hier: Wer viel Rot sieht, hat ein Gebäude mit schlechter energetischer Qualität. Überwiegt hingegen Grün, wird ein guter Energiestandard angezeigt.

Welche Informationen beinhaltet ein Energieausweis?

Nach der Energiesparverordnung 2014 müssen alle Energieausweise einem Standard entsprechen – allerdings sind auch noch ältere Modelle in Umlauf. Der Ausweis besteht aus fünf Seiten. Auf der ersten finden sich konkrete Angaben zum Gebäude, wie die Adresse, das Baujahr und die Art der Immobilie (Ein- oder Mehrfamilienhaus, Nichtwohngebäude etc.). Auf den Seiten zwei und drei werden die Ergebnisse der bedarfs- beziehungsweise verbrauchsorientierten Angaben in Form von Skalen angezeigt. Die folgenden Seiten schlüsseln genau auf, wie die Ergebnisse berechnet wurden und welche Faktoren einen besseren oder schlechteren Einfluss auf das Gesamtergebnis hatten (Beispiel: neuer Brennwertkessel = gut, zugige Fenster = schlecht). Abschließend beinhaltet ein Energieausweis noch genaue Vorschläge für Modernisierungsmaßnahmen, die dem Gebäude zu einer besseren Energieeffizienz verhelfen würden.

Was ist der Unterschied zwischen Verbrauchs- und Bedarfsausweis?

Energieausweise gibt es in zwei verschiedenen Varianten: den Bedarfsausweis und den Verbrauchsausweis. Bei dem günstigeren Verbrauchsausweis wird die Energieeffizienz anhand des Verbrauchs der Nutzer errechnet. Hierfür wird der Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser bei Wohngebäuden über mindestens drei Jahre hinweg dokumentiert, bei Nichtwohngebäuden außerdem auch der Stromverbrauch. Die ermittelten Werte werden dann mit einem standortbezogenen Klimafaktor bereinigt. Dieser Vorgang ist nötig, damit beispielsweise ein besonders kalter Winter, in dem viel geheizt werden musste, nicht zwangsläufig zu einem schlechten Kennwert führt. Der Witterungseinfluss wird also immer berücksichtigt. Anzumerken ist hier, dass der Verbrauchsausweis stark vom individuellen Nutzen der Bewohner abhängig ist. So kann in einem energetisch schlechten Bestandsgebäude beispielsweise nicht oder kaum geheizt werden und der Energieausweis fällt trotz Sanierungsstaus positiv aus.

Der Bedarfsausweis hingegen ermittelt die Werte anhand umfangreicher und detaillierter Daten. Er ist vollkommen unabhängig vom individuellen Nutzungsverhalten. Hier wird die energetische Qualität eines Gebäudes mit einer technischen Analyse der Bausubstanz und der Heizungsanlage ermittelt und in zwei verschiedenen Werten abgebildet. Der Eigentümer erhält in seinem Energieausweis zwei Farbskalen, die sehr unterschiedlich ausfallen können. Ermittelt werden der Endenergiebedarf und der Primärenergiebedarf. Beim Endenergiebedarf wird die jährlich benötigte Energiemenge für Heizung, Lüftung und Warmwasseraufbereitung des Gebäudes anhand konkreter technischer Regeln berechnet. Bei Nichtwohngebäuden finden auch Beleuchtung und Kühlung Beachtung. Der Endenergiebedarf ist für Verbraucher aussagekräftig. Er gibt Auskunft darüber, wie hoch der künftige Energieverbrauch und die damit verbundenen Kosten circa sein werden.

Für die Ermittlung des Primärenergiebedarfs werden weit komplexere Daten benötigt. Hier wird die Gesamtenergieeffizienz eines Gebäudes errechnet. Bei der Gesamtenergieeffizienz spielt der Endenergiebedarf ebenso rein wie die eingesetzten Energieträger und die Vorkette. Als Energieträger werden hier Parameter wie die Heizungsart (Gas/Öl), Strom oder erneuerbare Energien bezeichnet. Die sogenannte Vorkette bezieht sich auf die Erkundung, Gewinnung, Verteilung und Umwandlung der Energie. Eine Immobilie, die bereits energetisch saniert wurde, über ein effizientes Heizsystem (mit Brennwertkessel) und eine effektive Dämmung verfügt, schneidet bei der Gesamtenergieeffizienz gut ab. Werden sogar erneuerbare Energien eingesetzt, wie Geothermie, Solarenergie oder Energie aus Biomasse, fällt das Ergebnis besonders gut aus. Am Primärenergiebedarf kann erkannt werden, wie gut der ökologische Fußabdruck der Immobilie ist.

Für wen ist ein Energieausweis verpflichtend?

Bei Einführung des Energieausweises im Jahre 2009 war das Dokument lediglich eine Option für Immobilienbesitzer. Seit 2013 ist der Ausweis für den Großteil der Eigentümer jedoch verpflichtend. Die Energieausweispflicht gilt für:

  • Neubauten
  • Verkauf, Vermietung, Verpachtung
  • Öffentliche Nichtwohngebäude mit öffentlichen Dienstleistungen

Wird eine Immobilie neu errichtet, ist ein Ausweis verpflichtend. Der Bauherr muss dem Eigentümer bei Fertigstellung einen Bedarfsausweis aushändigen, wobei Bauherr und Eigentümer identisch sein können. Auch alle Wohngebäude, die nicht ausschließlich der Eigennutzung durch den Eigentümer dienen, benötigen einen Energieausweis. Wer seine Immobilie also verkaufen, neu vermieten oder neu verpachten möchte, muss einen Energieausweis vorlegen. Das gilt auch dann, wenn nur ein Teil des Gebäudes betroffen ist. Bei Miet- und Pachtverträgen, die schon vor 2013 – also vor Inkrafttreten der Ausweispflicht – gültig waren, gilt die Pflicht nicht. Hierbei ist außerdem zu beachten, dass Bestandsbauten, die vor 1977 errichtet und seitdem keiner energetischen Sanierung unterzogen wurden, den umfangreichen Bedarfsausweis vorlegen müssen. Ein Verbrauchsausweis ist hier nicht ausreichend. Öffentliche Nichtwohngebäude mit öffentlichen Dienstleistungen, wie Rathäuser, Sozialämter oder Schulen und Universitäten, unterliegen außerdem der Aushangpflicht. Der Energieausweis muss hier an einer gut sichtbaren Stelle ausgehängt werden. Hierdurch wird die besondere Pflicht der öffentlichen Hand betont. Nicht betroffen sind Kulturdenkmäler und Gebäude wie Museen, die besichtigt werden können. Auch Einzelhandel, Kaufhäuser sowie gastronomische Betriebe unterliegen nicht der Aushangpflicht.

Was kostet ein Energieausweis, wer stellt ihn aus und wie lange ist er gültig?

Die Kosten für den Energieausweis richten sich nach Art und Umfang. Aufgrund des wesentlich geringeren Aufwands eines Verbrauchsausweises sind die Kosten hierfür auch erheblich geringer. Ein Verbrauchsausweis ist bereits für rund 100 Euro und günstiger erhältlich. Für die bedarfsorientierte Version hingegen sind umfangreiche Recherchen und Wertermittlungen nötig sowie Begehungen vor Ort durch einen Fachmann. Auch die Gebäudegröße macht einen wesentlichen Faktor aus. Ein bedarfsorientierter Ausweis kostet zwischen 300 und 1.000 Euro.

Energieausweise dürfen entsprechend der Energieeinsparverordnung (EnEV) ausschließlich von qualifizierten Fachmännern ausgestellt werden. Dabei handelt es sich meist um Architekten, Ingenieure oder Handwerker, die eine entsprechende Zusatz- oder Weiterbildung absolviert haben. Leider gibt es jedoch kein amtliches Zulassungszertifikat, sodass sich der Verbraucher auf die Aussage des Ausstellers verlassen muss. Aussteller ohne Berechtigung begehen jedoch eine Ordnungswidrigkeit und können mit Bußgeldern bis zu 15.000 Euro rechnen. Ein Energieausweis ist zehn Jahre gültig. Werden in der Zwischenzeit jedoch energetische Sanierungen vorgenommen, ist die Ausstellung eines aktuellen Ausweises empfehlenswert, da sich ein guter Energiestandard positiv auf den Immobilienwert auswirkt.

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