Bedarfsorientierter Energieausweis vs. Verbrauchsorientierter Energieausweis

Bedarfsorientierter Energieausweis vs. Verbrauchsorientierter Energieausweis

Seit der neuen Energieeffizienzverordnung 2014 ist ein Energieausweis für die meisten Eigentümer verpflichtend. Doch wer einen Ausweis beantragen möchte, steht schnell vor der Frage, welche Variante für ihn infrage kommt. Zur Auswahl steht der verbrauchsorientierte Ausweis auf der einen Seite und der bedarfsorientierte Ausweis auf der anderen. Dem Immobilieneigentümer wird zunächst der große Preisunterschied zwischen beiden ins Auge fallen: Während ein Verbrauchsausweis schon für unter 100 Euro ausgestellt wird, kann der Bedarfsausweis bis zu 1.000 Euro kosten – natürlich immer in Abhängigkeit von der Größe des Objekts. Dennoch unterscheiden sich die beiden Ausweistypen maßgeblich voneinander. Zunächst jedoch zu den Gemeinsamkeiten: Beide Varianten dokumentieren den energetischen Ist-Zustand eines Gebäudes, ordnen die Immobilie einer Energieeffizienzklasse zu und geben außerdem detaillierte Vorschläge zur Verbesserung des Energiestandards des Objekts. Gerade letzteres ist ein toller Zusatzservice. Eigentümer sind jedoch in keiner Hinsicht dazu verpflichtet, die Vorschläge auch umzusetzen. Auch das Energieeffizienzverordnungsgesetz macht hierzu in der Regel keine konkreten Forderungen. Wer jedoch eine Immobilie besitzt, die über einen schlechten Energiestandard verfügt, ist in jedem Fall gut damit beraten, nachzurüsten und eine energetische Sanierung ins Auge zu fassen. Ob Wärmedämmung, Austausch der alten Fenster, neues Heizsystem oder Integration erneuerbarer Energiesysteme – eine Modernisierung der eigenen Immobilie zahlt sich meist doppelt aus. Auf der einen Seite wird der Objektwert wesentlich gesteigert und langfristig gesichert. Auf der anderen Seite gewinnt die Immobilie deutlich an Attraktivität für potenzielle Mieter und/oder Käufer. Ein geringer Energiebedarf und niedrige Verbrauchskosten sowie eine positive Klimabilanz gelten unter Käufern und Mietern als wichtiges Kriterium.

Der Verbrauchsausweis und seine Vor- und Nachteile

Der Verbrauchsausweis ist erheblich preiswerter als der bedarfsorientierte Ausweis, und das hat natürlich seinen Grund. Hierbei werden die Kennwerte auf der Grundlage des Verbrauchs der Nutzer errechnet. Hierfür können Heizkostenabrechnungen oder andere verlässliche Werte dienen, die über mindestens drei Jahre hinweg gesammelt werden. Die ermittelten Werte werden dann mittels eines standortbezogenen Klimafaktors bereinigt und auf ein deutschlandweites Mittel heruntergebrochen. So wird sichergestellt, dass beispielsweise ein besonders langer Winter oder ein früh einbrechender, kalter Herbst sich nicht negativ auf die Energiebilanz auswirkt.

Diese Datenerhebung ist vergleichsweise einfach und erfordert kaum Aufwand durch Dritte – häufig genügt es schon, wenn der Objekteigentümer einfach die Werte elektronisch eingibt und an den Ausweisaussteller übermittelt. Auch ist diese Form der Wertermittlung wenig anfällig für Fehler. Sie hängt allerdings stark vom individuellen Nutzungsverhalten der Verbraucher ab, sodass das Ergebnis nicht unbedingt als Richtwert gesehen werden kann.

Der Bedarfsausweis und seine Vor- und Nachteile

Anders als der Verbrauchsausweis ist der bedarfsorientierte Energieausweis gänzlich unabhängig vom Nutzungsverhalten Einzelner. Hierbei wird der Energiestandard auf Grundlage verschiedener technischer Werte errechnet. Bei einer Begehung vor Ort werden durch den Gutachter alle baulichen Aspekte der Immobilie genau untersucht. Auch Bauunterlagen, bereits durchgeführte Modernisierungsmaßnahmen, die Heizungsart, die eventuell vorhandene Wärmedämmung und die Qualität der Fenster – jedes Detail findet im Bedarfsausweis Beachtung. Anhand dieser Daten werden zwei verschiedene Werte ermittelt: der Endenergiebedarf und der Primärenergiebedarf. Der Endenergiebedarf macht eine Aussage über die jährlich benötigte Energiemenge, die für Heizung, Lüftung und Warmwasseraufbereitung aufgebracht wird. Der Primärenergiebedarf bezieht sich auf die Klimabilanz des Objekts und berechnet die Gesamtenergieeffizienz.

Wer sich für einen Bedarfsausweis entscheidet, sollte nicht unbedingt dem preiswertesten Anbieter den Zuschlag geben. Gerade hierbei kommt es auf eine sehr exakte Datenerhebung an und auf möglichst genaue Berechnungen, die jedes Detail mit einbeziehen. Renommierte Aussteller sind hier eher zu empfehlen als günstige.

Ausweispflicht beachten

Welcher Energieausweis der richtige ist, hängt nicht immer einzig von der Entscheidung des Eigentümers ab. Nach der Energieeffizienzverordnung 2014 unterliegen verschiedene Immobilientypen unterschiedlichen Ausweispflichten. Für Neubauten, die nach 2008 errichtet wurden, kommt ausschließlich ein bedarfsorientierter Ausweis infrage. Dasselbe gilt für Bestandsgebäude, die weniger als fünf Parteien haben, deren Baujahr vor 1977 liegt und in denen seitdem keine maßgeblichen energetischen Sanierungen vorgenommen wurden. Auch hier ist ein Bedarfsausweis nötig. Eigentümer von Neubauten mit Baujahr bis 2008 und von modernisierten Bestandsgebäuden haben es da leichter. Sie können frei wählen, ob sie sich für den kostengünstigen Verbrauchsausweis entscheiden oder für den detaillierten Bedarfsausweis.

Ausweispflicht für Wohngebäude im Überblick:

  • Bedarfsausweis: Neubauten ab Baujahr 2008
  • Bedarfsausweis: Bestandsimmobilien mit weniger als fünf Parteien, die noch nicht dem Wärmeverordnungsgesetz 1977 entsprechen
  • Verbrauchs- oder Bedarfsausweis: Altbauten mit mehr als fünf Parteien
  • Verbrauchs- oder Bedarfsausweis: Altbauten mit weniger als fünf Parteien, die dem Wärmeverordnungsgesetz 1977 entsprechen

Kein direkter Rückschluss auf individuellen Energieverbrauch möglich

Für beide Ausweistypen gilt jedoch: Ein unmittelbarer Rückschluss auf die tatsächlichen Verbrauchswerte und Energiekosten ist nicht zuverlässig. Denn die Daten im Energieausweis beziehen sich immer auf das gesamte Wohngebäude. Der Energiebedarf der einzelnen Wohnungen kann von dem errechneten Mittel jedoch stark abweichen – immer in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren, wie der Lage der Wohnung im Gebäude, den Witterungsverhältnissen und natürlich dem individuellen Nutzungsverhalten. So wird beim Bedarfsausweis beispielsweise von einer konstanten Raumtemperatur von 20 °C ausgegangen. Jedes Grad darüber oder darunter lässt die Werte um 6 % nach oben oder unten abweichen. Auch die Lage der Wohnung im Gebäude ist ein entscheidender Faktor. Wohnungen im Souterrain, im Erdgeschoss, unterm Dach oder mit vielen Außenwänden haben in der Regel einen wesentlich höheren Energiebedarf als solche, die mittig im Haus liegen – insbesondere, wenn die Fassade nicht oder schlecht gedämmt ist. Außerdem hängen die Verbrauchskosten eng mit dem Energieträger beziehungsweise dem verwendeten Brennstoff zusammen. Hinzu kommt, dass die langfristige Preisentwicklung für Gas oder Öl sich nur schwer vorhersagen lässt.

Energieeffizienzklasse der Immobilie

Seit der Energieeffizienzverordnung 2014 werden Immobilien in allen neu ausgestellten Energieausweisen einer Energieeffizienzklasse zugeordnet. Um den Verbrauchern die Orientierung zu erleichtern, werden die Effizienzklassen auf einer Skala angezeigt, die den Labels von Elektrogeräten ähnelt: Rot bedeutet einen schlechten Energiestandard, Grün einen guten. Die Klassen reichen von A+ bis H. Je weiter die Energieklasse hinten im Alphabet liegt, desto schlechter ist der Energiewert. Die Einteilung richtet sich dabei nach dem ermittelten Kennwert. Hierbei ist jedoch zu unterscheiden, ob es sich um den Endenergieverbrauch oder um den Endenergiebedarf handelt – das ist abhängig von der gewählten Energieausweisvariante.

In der Übersicht beziehungsweise Skala werden auch die durchschnittlichen Energiekosten pro Quadratmeter angegeben. Energieausweise, die vor 2014 erstellt wurden, zeigen zwar noch keine Skala und Zuordnung in Energieeffizienzklassen, weisen aber dennoch die ungefähren Energiekosten pro Quadratmeter auf. Anhand dieses Werts können auch Eigentümer mit einem älteren Ausweis ihre Immobilie einer Effizienzklasse zuordnen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist außerdem, dass ältere Ausweise ihre Gültigkeit nicht verlieren. Jeder Energieausweis ist zehn Jahre gültig. Eine Erneuerung ist entweder nach Ablauf der zehn Jahre fällig oder im Falle von umfangreichen energetischen Sanierungsmaßnahmen, die den ausgewiesenen Wert maßgeblich verändern können.

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